Es fing alles damit an, dass Cloud Strife sich seltsam benahm. Nun, er war von Anfang an ein komischer Kauz gewesen, aber nun wurde es ernst. Er und seine Freunde untersuchten den Tempel des Alten Volkes, und gerade eben waren sie auf Sephiroth gestoßen. Cloud war nicht mehr er selbst. Tatsächlich schien es so, als sei er nicht der, der er vorgab zu sein - ohne es zu merken. Und in diesem Moment wurde mir klar: "Krass, diese Story geht viel tiefer, als ich anfangs dachte!"
Es war um die Jahrtausendwende. Ich saß bei einer Freundin in ihrem Zimmer und sah ihr zu, wie sie Final Fantasy VII auf der Playstation 1 spielte. Ich war ganz zufrieden damit, denn ich war mehr an der Story interessiert als am Spielen selbst. Ich mochte die Charaktere und die klotzige 3D-Grafik, die zu der Zeit ganz neu war. Doch bislang hielt ich mich nicht für einen Fan von FF7 - bis zu dieser Szene, in der die Story einen ihrer zentralen Wendepunkte offenbarte.
Meine ernsthafte Leidenschaft für alles rund um FF7 begann wohl im Mai 2002, angesichts der Zeitstempel der frühesten Fanart-Dateien. Die Fanart, die ich in jener Zeit von verschiedenen Internetseiten heruntergeladen hatte, stammte ausschließlich von japanischen Fans. Ich druckte einige von ihnen in Farbe aus, klebte sie auf ein großes Blatt Papier, und hängte dieses an meines Zimmers Tür - und das war völlig neu für mich. Ich war noch nie ein Fan von irgendwas oder irgendwem gewesen in dem Ausmaß, dass ich mir Poster aufgehängt hätte.
Die Inspiration
Doch dies sollte ein zentraler Wendepunkt sein - für mich. Als ich diese bezaubernd schöne japanische FF7-Fanart und die Doujinshi-Ausdrucke auf meiner Tür betrachtete, da wusste ich, dass ich die Sprache meiner Phantasie gefunden hatte.
Ich habe immer schon gezeichnet, seit ich einen Bleistift halten konnte. Und an einem Punkt dachte ich sogar daran, Comics zu zeichnen, aber mir fehlte die Idee für eine Story, und auch ein inspirierendes Vorbild für den Stil. Von Manga hatte ich bislang kaum etwas gesehen, denn er begann gerade erst den deutschen Markt zu erobern. Doch diese Doujinshi-Farbdrucke auf meiner Tür offenbarten mir die Kraft seiner filmischen Bildsprache. Und die komplexe Story von FF7 lieferte den lang vermissten Kristallisationskeim für eine Story.
Wie ich auf “Sink To the Bottom With You” gestoßen bin, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber vermutlich war es ebenjene Freundin, die dieses Fanfic fand und mir zu lesen gab. Laut Zeitstempel lud ich es im Juni 2002 aus dem Netz herunter. Catalinas lebendiger Schreibstil und ihre äußerst treffende Charakterisierung der Figuren entfachten meine Phantasie sofort. Im Jahre 2005 bat ich sie um Erlaubnis, ihr Fanfic zu "mangaisieren" und auf meiner brandneuen Internetseite zu veröffentlichen. Freudig stimmte sie dem zu.
Die Verwirklichung
Allerdings brauchte ich eine Zeit, um mit dem typischen Manga-Zeichenstil warm zu werden. Als ich mit "Sink" anfing, wollte ich ein filmisches Erlebnis schaffen, doch ich fand den Stil mit Tinte und Halbton ein bisschen zu zweidimensional, und so nutzte ich eine Technik, die für Film-Storyboards verwendet wird.
Um die "Drehorte" des Spiels richtig darstellen zu können, war ich gezwungen, das Spiel zu spielen (was mir auch Spaß machte - meistens jedenfalls). Es gab keine Werkzeuge, um schnell an die Grafiken des Spiels heranzukommen, oder sie waren mir schlicht unbekannt. Und Youtube war gerade erst erfunden, und so gab es auch keine Spiel-Videos, die mir viel Zeit und Arbeit hätten ersparen können. Ich spielte das Playstation-Spiel mit einem Emulator auf dem Computer, und dort machte ich dann Bildschirmfotos. Concept Art der Charaktere sowie anderer Details waren im Internet zu finden.
Ab Kapitel 11 änderte sich der Stil. Die Charaktere wurden immer "realistischer", mit größeren Nasen und kleineren Augen. Der Einfluss von “Final Fantasy 7 – Advent Children” war teilweise dran schuld, denn ich wollte den Stil der 3D-Charaktere imitieren. Weitere Variationen folgten; ich probierte noch so einiges aus, und mit Kapitel 20 kehrte ich schließlich zu einem ähnlichen Stil zurück, mit dem ich angefangen hatte.
Leider brach Catalina ihr Fanfic nach Kapitel 42 ab. Doch ich zeichnete weiter bis ins Jahr 2017, wo ich nach Kapitel 22 dann auch aufhören musste. Andere Dinge forderten meine Zeit und Kraft. In der Zwischenzeit hatte ich auch angefangen, an einer eigenen Story zu zeichnen. Dieser Manga wird derzeit für die Veröffentlichung vorbereitet: ***ERSCHEINT IN KÜRZE*** VJ (vorläufiger Projektname)